Verpackungsfrei Einkaufen

WARUM VERPACKUNGSFREI?

 


Deutschland verbraucht pro Kopf mehr Plastik und Papier als jedes andere euro­päische Land. Die Folgen für Umwelt und Gesundheit sind unabsehbar, denn Plastik  enthält gefährliche Chemikalien, die sich nachweislich negativ auf unsere Gesundheit auswirken. Papier enthält weniger Schadstoffe, belastet jedoch die Umwelt, weil bei seiner Herstellung große Mengen chemischer Zusatzstoffe eingesetzt werden. Verpackungsfreie Supermärkte bieten die einfachste Möglichkeit, den Einkauf ganz ohne Verpackung zu bewältigen.

Im „Unverpackt-Laden“ erhältst du alle Waren „lose“ oder in Pfandbehältern. Du kannst dir deine gewünschte Menge selbst in mitgebrachte Behältnisse, wie zum Beispiel die naturtasche, abfüllen. Waren wie Nudeln, Reis, Hülsenfrüchte, Kaffee oder Süßwaren werden in Großverpackungen – meist als 25 kg Gebinde – angeliefert. So sparst du gemeinsam mit anderen Kunden jede Menge Einzelverpackungen. Doch was tun, wenn es keinen Unverpackt-Laden in deiner Nähe gibt? Viele Bio-Fachge­schäfte, Obst- und Gemüsehändler, Bäckereien, Feinkostgeschäfte und sogar Discounter bieten mittlerweile unverpackte Lebensmittel an. Eine Karte findest du unter: www.bund.net/plastikfrei-einkaufen

Folgende Tipps helfen dir, deine Verpackungsmengen zu reduzieren, wenn du keine Möglichkeit hast, unverpackt einzukaufen: 
Großpackungen sparen Geld und sind bei lang haltbaren Lebensmitteln eine gute Möglichkeit, Müll zu sparen. Aber bitte nur, wenn die ganze Packung aufgebraucht wird. Lebensmittel zu verschwenden spart keine Ressourcen. 
Doppelverpackungen meiden: Müsli, Cornflakes, Bio-Nudeln, Gummibärchen, Pralinen stecken oft in einer Umverpackung aus Karton und einer zusätzlichen Innenverpackung aus Plastik. Dabei stehen ähnliche Produkte ohne Doppelverpackung meist nebeneinander im Supermarktregal. Wähle achtsam aus, und dein Müllaufkommen wird sich bei diesen Produkten bald auf die Hälfte reduzieren.

Obst- und Gemüse

Wissen
Verpackungen haben den größten Anteil am Kunststoffmüll in Privathaushalten. Zu den am häufigsten gekauften Lebensmitteln gehören Obst und Gemüse. Laut NABU werden in Deutschland jährlich 93.000 Tonnen Verpackungsmüll für frisches Obst und Gemüse verbraucht. Für den Abtransport dieser Obst- und Gemüseverpackungen sind in Deutschland 61.000 Müllfahrzeug-Einsätze notwendig. Papiertüten sind keine nachhaltige Alternative. Für die Papierherstellung werden Bäume gefällt und große Mengen an Chemikalien wie z.B. Schwefelsäure eingesetzt. Saisonaler Einkauf ist nicht nur für die Öko-, sondern auch für die Plastikbilanz ­wichtig. Denn beim Anbau von Tomaten kommen in Südländern im Winter große Mengen an Plastikfolien als Wetterschutz zum Einsatz. Diese Plastikzelte werden regelmäßig vom Wind ins Meer getragen und tragen so zur Verschmutzung der Meere bei. Zudem müssen die Tomaten zu ihrem Schutz auf den langen Transportwegen aufwendig verpackt werden. 

Empfehlung
Kaufe Obst- und Gemüse stets lose in wiederverwendbaren Taschen, z.B. der ­naturtasche. Nur mit saisonalem und regionalem Obst- und Gemüse lässt sich Plastikmüll vermeiden. Es wird in der Regel in Pfandboxen ausgeliefert. Obst- und Gemüse ist wegen der Verdunstung auf längeren Anfahrtswegen immer in ­Plastik verpackt, beispielsweise Erdbeeren in der Vorsaison. Konventionelle Supermärkte bieten vor allem bei Bio-Produkten wenig Unverpacktes an. In Gemüse-Fachge­schäften, Bio-Märkten, Wochenmärkten, aber mittlerweile auch Discountern, erhältst du die wichtigsten Obst- und Gemüsesorten ohne Verpackung.

Leitungswasser statt Flaschenwasser

Wissen
Aus Plastikflaschen kann vor allem in Folge von Sonneneinstrahlung der leberschädigende Stoff Acetaldehyd in Flascheninhalt übergehen. Acetaldehyd verändert den Geschmack der Getränke. Glas ist dagegen geschmacksneutral. Es gibt keine chemische Wechselwirkung zwischen Behälter und Inhaltsstoffen. Experten streiten sich darüber, ob Glas oder Plastik hinsichtlich ihrer Ökobilanz besser abschneiden. Bei Glas fällt vor allem der Transportweg ins Gewicht. 
Manche Menschen glauben, dass Mineralwasser gesünder als Leitungswasser ist. Dies ist nicht der Fall. Trinkwasser ist das am stärksten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Mineralwasser wird in einem wesentlich geringeren Umfang kontrolliert. Auch wenn im Leitungswasser in manchen Regionen noch Rückstände von Chemikalien, Nitrat, Pestiziden, Arzneimitteln, Uran, Chrom im Trinkwasser nachweisbar sind, machen diese äußerst geringen Mengen nicht krank. Bedenklich für die Trinkwasser-Qualität könnten eher defekte Leitungen sein, z.B. durch Legionellen-Besiedlung. Viele Wasserversorgungswerke bieten kostenpflichtige Leitungswasseranalysen an, wenn du dir nicht sicher bist, ob dein Trinkwasser in Ordnung ist.

Empfehlung
Vertraue deinem Geschmack. Du kannst dich nicht entscheiden? Dann wechsle ab zwischen Mineralwasser und Leitungswasser. Das verbessert die Ökobilanz immerhin schon um die Hälfte! Für alle, die Sprudelwasser bevorzugen: Es gibt Trinkwassersprudler mit Glasflaschen. Besorge dir eine Trinkflasche für unterwegs aus Glas, Edelstahl oder Borosilikatglas. Unterwegs kannst du deine Trinkflasche problemlos in (fast) jedem Café oder Restaurant auffüllen lassen.

Brot und Backwaren

Wissen
Bäckertüten aus Papier sind gesundheitlich unbedenklich. Viele Brotverpackungen sind jedoch mit Plastik beschichtet oder haben ein Kunststoff-Sichtfenster und belasten so unnötig Umwelt und Gesundheit. Die Müllmenge, die wir durch den gedankenlosen Verbrauch von Bäckertüten produzieren ist enorm. Wenn jeder Deutsche pro Woche zwei Bäckertüten benutzt, sind das pro Jahr bereits sieben Milliarden Tüten!

Empfehlung
Für den verpackungsfreien Einkauf von Brot eignet sich am besten die naturtasche. 
Besorge dir zum Einkauf von fetthaltigen Backwaren eine Metalldose.
Brot sollte nicht offen und nicht im Kühlschrank gelagert werden. Am besten lagert man Brot bei Zimmertemperatur in sauberen und trockenen Behältern wie Brottopf oder Brotkasten. Brot bleibt in der naturtasche länger frisch als in Papiertüten. Sie ist in Kombination mit einem Brottopf ideal zum Lagern. Die Baumwolle nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie langsam wieder an die Backwaren ab. Die naturtasche kann auch als Gefrierbeutel verwendet werden. Brot- oder Toastscheiben können darin ca. eine Woche lang eingefroren und nach und nach im Toaster aufgetaut werden.

Milchprodukte

Wissen
Glasflaschen leben länger. Eine Mehrwegflasche aus Glas wird bis zu fünfzigmal neu befüllt, bevor sie eingeschmolzen wird. Dann werden 100 % des Rohstoffs wiederverwertet. Bei längeren Transportwegen haben Glasflaschen aufgrund ihres höheren Gewichtes eine schlechte Ökobilanz. Ein Vorteil von Glas ist jedoch, dass es keine chemische Wechselwirkung zwischen Behälter und Inhaltsstoffen gibt. Die Deckel von Pfandgläsern dürfen aus hygienischen Gründen nicht wiederverwendet werden. Zudem enthält so mancher Schraubdeckel noch immer Bisphenol A (BPA), einen gesundheitschädlichen Stoff, der hormonähnlich wirkt. Achte auch bei „Eigenproduk­tionen“ auf die entstehende Müllmenge: Macht es Sinn, Butter aus Sahne im Pfandglas selbst herzustellen? Am Ende bleibt deine Mülltonne zwar leer, aber die Ökobilanz der Sahne im Glas ist deutlich schlechter als die der Butter im Papier. 

Empfehlung
Milchprodukte in Pfandgläsern möglichst von regionalen Anbietern kaufen.

Getränke / Fruchtsaft

Wissen
Aus PET-Plastikflaschen kann, vor allem unter dem Einfluss von Sonnenlicht, Acetaldehyd an den Inhalt abgegeben werden. Getränkekartons sind mit Polyethylen (PE) und Aluminium beschichtet. Einige Studien haben gezeigt, dass auch PE nicht lichtbeständig ist und die östrogenartig wirkende Substanz Nonylphenol ausscheiden kann. Die angebliche Recycling-Fähigkeit der Getränkekartons ist eine große Recycling-Lüge. Ganze 0% des für die Innenbeschichtung von Kartons verwendeten Aluminiums werden recycelt, berichtet die Deutsche Umwelthilfe.

Empfehlung
Saft in Glasflaschen ist geschmacklich und gesundheitlich die beste Variante. Achte beim Kauf auf regionale Produkte mit kurzen Transportwegen. Keine Lust auf Schleppen? Regionale Getränkelieferanten bringen die gewünschten Produkte direkt vor die Haustür. Mische deine Saftschorle selbst. Statt günstiger Mischgetränke kannst du auf Bio-Säfte umstellen und diese mit (gesprudeltem) Leitungswasser mischen.


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